Wann muss ein Arbeitnehmer eine Mitteilung an den Arbeitgeber über seine Erkrankung senden? Welche Folgen hat eine verspätete Krankmeldung? Kann der Arbeitgeber abmahnen oder gar kündigen? Wer als Arbeitnehmer keine Abmahnung riskieren will, sollte wissen, wie er sich im Krankheitsfall zu verhalten hat.

Die unverzügliche Krankmeldung ist Pflicht

Der Arbeitnehmer ist verpflichtet, seinen Arbeitgeber unverzüglich über eine Arbeitsunfähigkeit und deren voraussichtliche Dauer zu informieren. Unverzüglich heißt, sobald es dem Arbeitnehmer zumutbar möglich ist und noch bevor Sie zum Arzt gehen! Wenn Sie beispielsweise morgens mit einer schweren Erkältung aufwachen, sollten Sie sofort zum Telefonhörer greifen und Ihren Chef informieren, dass Sie krank sind und für diesen Tag ausfallen. Liegt die Krankmeldung bis zum regulären Dienst- oder Arbeitsbeginn nicht vor, verstößt der Arbeitnehmer gegen seine arbeitsvertraglichen Pflichten!

Das ärztliche Attest – spätestens nach drei Kalendertagen

Dauert Ihre Arbeitsunfähigkeit länger als drei Kalendertage, müssen Sie bei Ihrem Arbeitgeber eine ärztliche Bescheinigung über das Bestehen der Arbeitsunfähigkeit sowie deren voraussichtliche Dauer vorlegen. Spätestens am vierten Tag muss dem Arbeitgeber das Attest vorliegen. Dauert die Arbeitsunfähigkeit länger als in der Bescheinigung angegeben, ist der Arbeitnehmer verpflichtet, eine neue ärztliche Bescheinigung vorzulegen.

  • Für die Fälligkeit der Krankschreibung zählen nicht die Arbeits-, sondern die Kalendertage!
  • Nach einem Urteil des Bundesarbeitsgerichts ist der Arbeitgeber berechtigt, die Vorlage der ärztlichen Bescheinigung früher zu verlangen. Überprüfen Sie  dies in Ihrem Arbeitsvertrag!
  • Wer sich zu spät krank meldet oder ein Attest einreicht, riskiert eine Abmahnung – schlimmstenfalls droht eine Kündigung!

Was sie im Krankheitsfall machen dürfen und was nicht

Wenn Sie krankgeschrieben sind, bedeutet das nicht, dass Sie ans Bett gefesselt sind. Sie dürfen jedoch mit Ihrem Verhalten eine schnellstmögliche Genesung nicht gefährden. Erlaubt ist alles, was der Genesung zuträglich ist. In der Praxis heißt das, dass wenn Ihnen vom Arzt keine strikte Bettruhe angeordnet wurde, Sie das Haus verlassen dürfen um kurz Lebensmitteln einzukaufen oder frische Luft zu schnappen. Verantwortungsloses Verhalten entgegen der ärztlichen Empfehlung, wie beispielsweise der Aufenthalt in einer verrauchten Kneipe bei Bronchitis, kann eine Abmahnung oder gar die fristlose Kündigung mit sich ziehen.

Wenn der Arbeitnehmer im Urlaub krank wird

Natürlich ist es ärgerlich, wenn man vor oder im Urlaub krank wird. Der Genuss entfällt und  weicht dem Leiden. Aus diesem Grund können sich Angestellte, wenn sie im Urlaub erkranken, Urlaubstage wieder gutschreiben lassen. Unternehmer müssen Arbeitnehmern Urlaub aber nur erneut gewähren, wenn der Arbeitnehmer seinen Nachweis- und Anzeigepflichten nachgekommen ist. Für Erkrankungen im Urlaub gelten allerdings strengere Bestimmungen:

  • Die Krankheit ist ab dem ersten Tag zu melden und ärztlich zu attestieren.
  • Atteste sind auch bei Aufenthalt im Ausland einzuholen, wobei nicht alle Papiere den deutschen Nachweispflichten genügen. (Arbeitsunfähigkeit muss explizit ausgeführt werden).
  • Die freien Tage werden gutgeschrieben, dürfen jedoch nicht einfach an den Urlaub angehängt werden. Dies gilt als unzulässige Selbstbeurlaubung und zieht im schlimmsten Fall eine Abmahnung oder Kündigung mit sich.
  • Erfolgt die Krankschreibung erst einige Tage nach der Krankmeldung im Urlaub, können die Tage zwischen Krankmeldung und Krankschreibung nicht erneut als Urlaub genommen werden.

Dürfen Arbeitgeber prüfen, ob ihre Mitarbeiter tatsächlich arbeitsunfähig sind?

Als Arbeitnehmer sind Sie grundsätzlich nicht verpflichtet, dem Chef Fragen zu ihrer Krankheit zu beantworten. Allerdings kann der Arbeitgeber bei ernsthaft begründeten Zweifeln an der Arbeitsunfähigkeit des Mitarbeiters eine Überprüfung durch den Medizinischen Dienst der gesetzlichen Krankenkassen verlangen. Dem kann sich der Arbeitnehmer nicht verweigern. Der Patient ist allerdings in diesem Zusammenhang nicht verpflichtet, seinen Arzt von der Schweigepflicht zu entbinden. Liegen stichhaltige Beweise vor, die belegen, dass der betreffende Mitarbeiter seine Erkrankung nur vorgetäuscht hat, muss dieser mit einer Abmahnung oder gar fristlosen Kündigung rechnen.


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